Der Sonnentau

Es funkelt, blitzt der Sonnentau
wie tausend Diamanten:
vom hellsten Rot, bis tiefsten Blau,
in allen Varianten.

Eine Mücke tanzt und schwebt im Flug
dicht hin zu dieser Pracht.
Der Sonnentau, voll Lug und Trug
Ist sofort helle wach.

"Bin ich nicht schön? Gefall' ich dir?",
macht er die Mücke an.
"Komm näher nur, ganz nah zu mir
und schau dir alles an.

Siehst du, wie das Sonnenlicht
auf meine Perlen fällt?
Wie es tausendfach sich bricht
und alles hier erhellt?

Ich hab so viel von all dem Schönen,
und du, bist nur ein graues Tier.
Komm, lasse dich von mir verwöhnen.
Die ganze Pracht, ich schenk sie dir."

"Ist es die Wahrheit, die du sagst?",
fragt die Mücke ganz verstört.
"Bist du so dumm, dass du noch fragst?"
"Ich dacht, ich hätt' nicht recht gehört."

"Ooooh! Was wird man mich bestaunen,
wenn ich mit Schmuck behangen bin!
So manche hör ich auch schon raunen:
Sie wird bestimmt mal Königin."

Der Sonnentau, voll List und Tücke,
öffnet seine Fänge weit.
"Schnell, flieg`zu mir, kleine Mücke,
es wartet doch die Kostbarkeit!"

Von Gier und Eitelkeit getrieben,
fliegt sie zum Diamantenglanz. -
Ach, wäre sie doch bloß geblieben,
eine Mücke nur beim Mückentanz ...